Oscar-Prämierter Film „No other Land“ in Oldenburger VHS: Film gibt palästinensischen Opfern ein Gesicht

Eine Initiative von zwölf Oldenburger Gruppierungen lenkt den Blick auf die Lage in Israel-Palästina und sucht Wege aus der Gewaltspirale. Eine Filmvorführung in der VHS zur Situation im Westjordanland am 9. April hat unerwartet großes Interesse ausgelöst.

Filmgespräch zu "No Other Land". Foto: VHS Oldenburg

Der Abend begann mit einer viertel Stunde Verspätung: Immer mehr Stühle mussten in den großen Veranstaltungsraum der VHS Oldenburg gebracht werden, um den am Ende fast 180 Besucherinnen und Besuchern einen Sitzplatz zu geben. Der Oscar-prämierte Dokumentarfilm „No other Land“ hatte seine Weltpremiere zwar schon bei der Berlinale 2024, ist aber nicht zuletzt durch die dramatische Zuspitzung des Nahostkonflikts brandaktuell. Am Donnerstagabend erlebte der international stark beachtete Film seine Oldenburg-Premiere in der VHS.

Wege der Verständigung ausloten – dieses Ziel verfolgen die Organisatoren des Abends um das Ökumenische Zentrum Oldenburg, das Hilfswerk Misereor, die Friedensbewegung Pax Christi, den Jerusalemsverein, den Caritasverband Oldenburg-Ammerland und sechs weitere Gruppierungen der Oldenburger Zivilgesellschaft. Der frühere Leiter des Forums St. Peter Klaus Hagedorn erinnerte an die „unfassbar hohen Zahlen“ von Getöteten, Verwundeten und Traumatisierten. „Haben wir ein Ohr für die konkret Betroffenen vor Ort – auf allen Seiten?“ Er sprach das „zu verurteilende ungeheure Massaker der Hamas“ an ebenso wie die „unvorstellbar zerstörerische Kriegsführung der israelischen Regierung in Gaza“. Hagedorn machte deutlich, dass Kritik an der israelischen Regierung nicht mit Antisemitismus gleichzusetzen sei. Gestärkt werden sollten je Teile der palästinensischen und israelischen Zivilgesellschaft, die sich für Verständigung, Gewaltfreiheit und einen gerechten Frieden einsetzen. 

Der Dokumentarfilm zeichnet das von Gewalt und Unterdrückung gekennzeichnete Leben der palästinensischen Bevölkerung im Westjordanland nach. Die eindringlichen Szenen der Zerstörung palästinensischer Dörfer und von Razzien und Willkür des israelischen Militärs spiegeln die Perspektive der betroffenen Palästinenser. Einen Ausweg zeigt der Film nicht. Mehr noch: Der jüdische Menschenrechtsanwalt Daniel Shenhar aus Jerusalem sprach in dem von Peter Meiwald, Abteilungsleiter Afrika/Nahost bei Misereor und Vorsitzender der Europäischen Föderalisten in Oldenburg, moderierten Filmgespräch von einer Verschlechterung der Lage. Eine Zwei-Staaten-Lösung oder die Bildung einer Konföderation zweier unterschiedlicher Kulturen und Sprachen nach dem Vorbild der Schweiz oder Belgien sei derzeit nicht realistisch, räumte Shenhar ein. Als hoffnungsvolles Zeichen wertete Leonie Craes, Nahost-Referentin bei Misereor, die Zusammenarbeit des palästinensisch-israelischen Filmteams, das von Misereor finanziell unterstützt wurde. „Menschen an der Basis“ könnten – mehr noch als Politiker – Frieden bringen, so Craes.

Eine weitere Veranstaltung hat die Oldenburger Nahost-Initiative für Donnerstag, 23. April, vorbereitet. Um 19 Uhr beginnt in der Garnisonkirche, Peterstraße 41, eine Begegnungs- und Gesprächsrunde mit zwei Vertretern der Organisation „Combatants for Peace“ aus Israel/Palästina. In dieser Gruppe haben sich ehemalige israelische Soldaten und palästinensische Aktivisten zusammengeschlossen, die militärischer Gewalt abgeschworen haben und gemeinsam an einer gewaltfreien Lösung für Israel und Palästina arbeiten. 

Pressetext der Gruppe „Gesprächsraum Israel-Palästina Oldenburg“